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"...moiti puopolari distretti e buono huomini,
e de bono lenajo, moiti descreti, e ricci Mercatanti;
anco fra essi fuoro Cavallerotti..."
aninimo Storiografo romano 1358

Die Cavallerotti - das KulturNetzwerk
Verein zur Förderung junger Künstler


Wer sind wir - was erstreben wir?

 


Wir, die Mitglieder des KulturNetzWerkes der Cavallerotti e. V., sind langjährig auf dem schwankenden Terrain der Freien Kulturarbeit tätig.

>> Hier geht's zu einer kurzen Chronik der bisherigen Tätigkeitsfelder der Cavallerotti


I Cavallerotti - Geldbürger, Popolanen und Schwertleute des Trecento

"Cavallerotti" - dieser Ausdruck prägte sich für eine in den italienischen Stadtrepubliken des Trecento zwischen dem "popolo minuto" - den "kleinen Leuten" - und dem "popolo grasso" - dem "fetten Volk"  - angesiedelte Schicht vermögenden merkantilen Bürgertums.

Die "Cavallerotti", - als Kaufleute, Grosshändler von Vieh und Getreide, Bankiers, Grossgrundbesitzer etc. wohlhabend, aber von den Patrizier- und Feudalkreisen ausgeschlossen - suchten sich als einflussreiche Mitglieder der Popolanen, der Volksparteien dennoch gesellschaftlichen Einfluss und politische Vormacht zu verschaffen.
  
Die progressive Neuordnung überkommener, den Kommunen vom "popolo grasso" oder von Gewaltherren der Region aufgezwungener Stadtregime auf Betreiben revolutionärer Volksbewegungen hin; Umsturzvorhaben, die auf die Ablösung konstitutionell eingesetzter,  aber korrupt agierender Rektoren abzielten; die Proklamation fundamentaler Volks- und Bürgerrechte durch hochherzige, oder nur berechnende Volksfreunde: All das war von massiv zugesicherter Unterstützung der "Cavallerotti" abhängig.

Kaum allerdings, daß sich die in der Praxis oft unerwartet unbequemen Veränderungen  durchsetzten und entbehrungsreiches Engagement hohen Bürgersinns verlangten, überliefern sich Unzufriedenheit und Berechnung bei den "Cavallerotti". Ganz gleich, worauf es nun im einzelnen abhing: administrative oder geschäftliche Vorteile  welche  sich nicht schnell genug einstellten; Ämter und Würden, auf die einstmals unverhohlen reflektiert wurde, welche aber nunmehr anderen, Berufeneren (oder noch raffinierter vorgehenden Mitläufern der Volksfronden) zuerkannt wurden; geschäftlicher Niedergang durch Fehden gegen innere und äussere feudale Republikgegner: Lustlosigkeit in der Wahrnehmung administrativer Aufgaben,  zögerlich gewährter Rückhalt gegenüber dem Senat oder dem amtierenden Volkskapitän, Empfänglichkeit für finanzielle Zuwendungen seitens führender Repräsentanten des "popolo grasso" oder der Feudalclans in Stadt und Region untergruben rasch die von "Cavallerotti" einstmals unterstützten und errichteten Regime. 

"Cavallerotti" standen nicht nur unausgesetzt in Geheimverbindung zum politischen oder militärischen Gegner; Zeitzeugen überlieferten darüberhinaus spezifische Verhaltensweisen der "Cavallerotti": in Krisenzeiten waren sie unter den ersten, welche auf den Strassen zum Sturz der vom "popolo minuto" erhobenen Volksregime hetzten; an den Brennpunkten  der darauffolgenden Tumulte taten sie sich wiederum als die lautesten Schreier hervor.
  
Die proletarisch-vermögenden Väter und Söhne dieser semipatrizischen Oberschicht bildeten als repräsentative Kavalleriekorps auch die lokalpatriotisch umhegte Elite der Bürgermilizen, welche die Republiken paritätisch in den Stadtquartieren aufboten.

Unter den plebeischen Bürgerschichten waren nur die "Cavallerotti" in der Lage, die finanziellen Mittel zur standesgemässen Ausrüstung und Bewaffnung eines bürgerlichen Stadtritters sowie zur Anschaffung und Haltung eines edelgezüchteten Schlachtrosses aufzubringen.
    

Allerdings konterkarierte die Vorgehensweise, mit der "Cavallerotti" ihr militärisches Ehrenamtes erfüllten, das Ideal kommunaler Wehrhaftigkeit vermittels allgemeinverbindlicher Aushebung und Ertüchtigung republikanischen Waffenvolks erheblich. In nahezu gleichem Maße, wie das Gebaren von "Cavallerotti" auf dem politischen Sektor, ernsthafte Bemühungen, republikanischer Volksherrschaft zum Siege zu verhelfen, hintertrieb.

In kleinlicher Protzerei suchten sich die Parvenüs der einzelnen Quartiere ebenso wie die Kontingente rivalisierender Viertel untereinander durch das Vermögen zu überbieten, die prachtvollere, teurere Rüstung, das massigere, kräftigere und schnellere Streitross, das in ornamentierter Goldpracht, blendendem Strahlglanz weisspolierten Waffenschimmers und dem verschwenderischen Farbenprunk des Zierats, der Überwürfe und Fahnen beeindruckendere Gesamtbild präsentieren zu können.
  
Vor Paraden, anlässlich kommunaler Feierlichkeiten veranstaltet sowie  Ausmärschen der Millizen im Falle der Bedrohung wurde bei der Aufstellung um die vermeintlich besten Plätze gerangelt. Sie sollten gewährleisten, daß man im Zuge später, unter dem aufbrandenden Applaus von Angehörigen, edlen Frauen, Würdenträgern und der Bevölkerung eigener und fremder Viertel auch gut gesehen wurde.

Erfahrene und langjährig erfolgreiche Kriegsherren, die gegen hohe finanzielle Vergütung im Auftrag der Kommunen entscheidende militärische Vorhaben leiteten, reduzierten die von den Republiken gestellten Kontingente von "Cavallerotti" oftmals nach wenigen Tagen in erheblichem Maße. Dem waren zumeist üble Schlägereien vorausgegangen, welche von den zügellosen jungen Semipatriziern in elitärer Überheblichkeit gegen die bodenständigen Männer, die umliegende Gemeinden den Republiken in Vasallentreue aufgeboten hatten oder die Leute des Condottiere vom Zaun gebrochene wurden. Waren "Cavallerotti" gar aus Gefechten weggelaufen oder der Konspiration mit dem Feind, aus Enttäuschung über das Ausbleiben raschen militärischen Erfolges und einer damit verbundenen, baldigen  Heimkehr heraus begonnen, überführt worden, entfernten die Condottiere die jeweiligen Kontingente vollständig aus dem Heer.

Um die Unternehmungen nicht durch solch unvorhersehbare Ausfälle übermässig zu gefährden, griffen die Condottiere ersatzweise auf die Dienste von Söldnern aus aller Herren Länder zurück,  welche in Italien im Trecento zahlreich umherzogen und von den Kommunen dann für militärische Hilfe hoch zu bezahlen waren.

Klaus Nitzsche - ein Autor der ehemaligen DDR - reflektiert im Jahre 1975 in Romanform anschaulich zeitgenössisches Unbehagen, welches im Trecento von jeher mit gewichtigen, maßgeblich auf das Engagement und die Fähigkeiten von "Cavallerotti" bauenden Vorhaben einherging, folgendermassen:

"In der zweiten Augusthälfte rückte die Streitmacht Niccolo`s nach Süden vor. Die burgundischen und deutschen Reiter unter Führung Brettones bildeten die Vorhut. Niccolo ritt an der Spitze der Cavallerotti, zu seiner Rechten mit grämlichem Gesicht Doktor Arimbaldo. Vor drei Tagen hatte er noch einmal tief in die Tasche greifen müssen, um die meuternden Kriegsknechte zu beschwichtigen; dafür hatte man ihn zum staatlichen Schatzmeister ernannt, aber der Titel tröstete ihn wenig.
    "In einer Woche habt ihr eure Floren wieder und einen gehörigen Zins dazu. Wir werden Stefanello einen Tribut auferlegen, der ihm die Lust nimmt, die Stadt weiterhin nach Gutdünken zu schädigen", sagte Niccolo, um die düstere Stimmung seines Schatzmeisters zu heben.

"Was meint Ihr, Conte Mancini, wandte er sich an den Reiter zu seiner Linken, "wird Stefanello sogleich kleinbeigeben oder werden wir die Festung belagern müssen?"
  
"Ich fürchte, Ihr seht die Lage zu rosig", erwiderte Arimbaldo, bevor der Befragte antworten konnte. "Mein Bruder erobert mit einem halben Tausend kriegserfahrener Knechte feste Burgen und zwang starrköpfige Städte in die Knie. Seine Leute sind gedrillt und er kann sich bedingungslos auf sie verlassen."

"Ihr meint, die deutschen Reiter sind nicht zuverlässig"?  "Ich dachte nicht an die Vorhut, Niccolo, sondern an Eure Cavallerotti".
     "Für die legen wir die Hand ins Feuer, nicht wahr, Conte?"  Conte Mancini nickte zögernd. Er wollte Niccolo vor Arimbaldo nicht widersprechen, war sich aber nicht sicher, ob dieser selbst glaubte, was er sagte. In seinen Augen waren die Cavallerotti ein zusammengewürfelter Haufen, der nicht an jene ausgebildete Truppe heranreichte, die dem Rat der Republik vor sieben Jahren zur Verfügung gestanden hatte. Wie die Dinge lagen, hatte man alles und jeden unter die Cavallerotti einreihen müssen.

 

Liebe Kulturfreunde,

vielleicht war es dem ersten Teil unserer Darlegungen nicht gegeben, plausibel zu machen, warum der eigentümliche Titel "Die Cavallerotti" aus erwogenen, gebotensten, unabänderlichen Sachlagen heraus treffend und daher als richtig anzusehen ist für unsere Arbeit. Oder besser gesagt für das, was im Zentrum der von uns - einer hochherzig initiierten, kleinen Organisation dieses Namens - erstrebten Arbeit stets präsent sein muss: die Ausführungen Klaus Nitzsches haben es sicher vermocht.

In Trinitatis Robur

Euer

Rainer

Die Cavallerotti – das
KulturNetzWerk e. V.
c/o Hauptmann
Ginsterweg 4
65760 Eschborn
Tel: 06173 – 323736
Tel: 0151 – 56801802
cavallerotti@gmx.de
www.cavallerotti.de
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